STADTKIRCHE LIESTAL
SAMSTAG 10. SEPT. 2011
13.30 UHR

Johann Sebastian Bach (1685—1750)
Suite für Violoncello
solo Nr. 5 c-Moll BWV 1011 (um 1720)

Prélude
Allemande
Courante
Sarabande
Gavotte I + II
Gigue


Suite für Violoncello
solo Nr. 6 D-Dur BWV 1012 (um 1720)

Prélude
Allemande
Courante
Sarabande
Gavotte I + II
Gigue

Jean-Guihen
Queras












Jean-Guihen
Queras

A WAY TO IMMORTALITY

JEAN-GUIHEN QUEYRAS

Johann Sebastian Bach
Suiten für Violoncello allein

Wir wissen ja eigentlich von Bach viel zu wenig. Wann genau hat er die Cellosuiten geschrieben? Wie lange brauchte er dafür? Warum? Für wen? Ja, es gibt sie nicht einmal in seiner eigenen Handschrift, und so nagt manchmal der Zweifel: Wollte Bach wirklich über die Tonhöhen und -werte hinaus so wenig Vortragszeichen, Artikulationshilfen oder sonstige Verdeutlichungen seiner Absichten geben?
  Soviel lässt sich zu den Suiten allerdings sagen: Sie entstanden in einer von Bachs gleichzeitig glücklichsten und traurigsten Zeit. Traurig, weil aus heiterem Himmel seine erste Frau Maria Barbara gestorben war und er mit vier Kindern alleine dastand. Das Glück jener Zeit war seine berufliche Stellung am Hof zu Köthen, von der er selber sagt: «…hatte ich daselbst einen gnädigen und die Musik sowohl liebenden als auch kennenden Fürsten; bey welchem ich auch vermeinte, meine Lebenszeit zu beschliessen.» Es scheint, dass er sich damals auf das Komponieren weltlicher Musik geradezu geworfen hat: Es entstanden die Brandenburgischen Konzerte, die Violinkonzerte, Sonaten, Inventionen, das Wohltemperierte Klavier und vieles andere mehr. Und eben auch die Reihe von sechs Suiten für Cello allein. Sie ist eng verbunden mit den sechs Kompositionen für Violine allein aus derselben Zeit; zusammen bildeten sie für Bach ein zweiteiliges Ganzes.
  Suite heisst «Folge» – eine Folge von Tanzsätzen, in diesem Fall immer dieselben, eingeleitet von einem Vorspiel. (In den anderen Cellosuiten sind an der zweitletzten Position Varianten vorhanden.) Allerdings waren diese Sätze schon längst nicht mehr zum Tanzen gedacht, und Bach schuf in ihnen Höhepunkte der Verbindung von charakteristischen (Tanz-) Rhythmen und tiefen musikalischen und geistigen Gehalten. Dazu kommt seine immense Kunst, mehrstimmige Gedanken auf einem Melodieinstrument darzustellen.
  Die 5. und 6. Suite haben je eine Besonderheit: Bei der 5. muss die oberste Saite von a nach g heruntergestimmt werden. Das ermöglicht gewisse Tonkombinationen und ergibt zudem eine etwas dunklere, die Molltonart unterstreichende Farbe. Die 6. hat Bach für ein Cello geschrieben, das mit einer in der Höhe hinzugefügten fünften Saite einen nach oben erweiterten Umfang hatte, den Bach weidlich ausnützte, und der von den heutigen Ausführenden dank der Verwendung des Daumens auch mit vier Saiten erreicht wird.


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